Es ist schon einige Jahre her, dass Deutschland ein Brachland für Kunstmessen war. Mittlerweile präsentiert sich eine lebhafte Landschaft. Von Essen über Karlsruhe, München, Düsseldorf, über viele andere Städte. Sie können es in der internationalen Ausstrahlung zwar mit den Klassenbesten wie Art Basel aufnehmen, aber jede dieser Schauen hat ein sehr persönliches Gesicht.

Das “100-Tage-Museum”

Doch die Mutter aller zeitgenössischen Schauen ist die Documenta in der hessischen Provinz, in Kassel. Alle fünf Jahre wird Kassel zum Zentrum der internationalen, zeitgenössischen Kunstwelt. Die “documenta 15” wird das Kultur-Ereignis im Jahr 2022 sein (und wird bereits vorbereitet).

Wie schon bei der Premiere dauert die Schau genau 100 Tage, weshalb schon die Gründer ihre Schöpfung “100-Tage-Museum” nannten.

Nur ist Kassel alles andere als ein Museum. Dort trifft sich die Avantgarde der Zeitgenössischen. Nicht immer kann das große Publikum folgen, aber in der zeitgenössischen Kunst ist das ja nichts Ungewöhnliches.

Kultureller Publikumsrenner

1955 ersann der Maler und Künstler Arnold Bode “Kassel”. Und da das Ende des Zweiten Weltkriegs noch nicht lange zurück lag, verfolgte der Gründer auch ein pädagogisches Ziel: Die Messe sollte die deutsche Öffentlichkeit mit zeitgenössischer und moderner Kunst versöhnen, die von den Nazis als “entartete Kunst” verdammt wurden.

Künstler nach Athen tragen

Die erste Ausstellung drehte sich um abstrakte Kunst der 20er- und 30er-Jahren und war mit mehr als 130.000 Besuchern ein erster Erfolg – es sollten noch viele folgen. Die “documenta 12” im Jahr 2007 unter der künstlerischen Leitung von Roger Buergel zog mehr als 750.000 Besucher an. Eine sensationelle Zahl.

Im Laufe der Jahre hat sich Kassel auf zeitgenössische Kunst konzentriert und präsentiert vielversprechende Künstler aus der ganzen Welt. In ihrer Art ist die Documenta einmalig auf der Welt. Um den internationalen Anspruch zu betonen, weilte die Ausstellung 2017 außer in Kassel auch im krisengeschüttelten Athen. Zurück zu den Wurzeln der Kunst.