“Die Möwe“ war einst ein Künstlerclub im Berlin, der seinen Namen einem Stück von Anton Tschechow verdankte. Gegründet 1946, gingen hier die Größen der damaligen Künstlerwelt ein und aus. Gustav von Wangenheim, Hans Albers, Ernst Busch und viele andere waren zur Eröffnung anwesend. Die sowjetische Kommandantur gab Extra-Lebensmittelrationen aus. Grund genug, sich dem Club anzuschließen. Doch nicht nur der volle Magen lockte, es gab Theateraufführungen, Lesungen und Kinovorstellungen. Internationale Gäste waren unter anderem der Chansonier Yves Montand, der Pantomime Marcel Marceau sowie Schauspieler wie Gerard Philipe, Simone Signoret und Sophia Loren.

Die Salongalerie in der Auguststraße

In Memoriam dieser künstlerischen Institution gab sich die Salongalerie „Die Möwe“ in der Auguststraße 50B in Berlin ihren Namen. Bei den abendlichen Veranstaltungen geben Künstler, Sammler, Kunstliebhaber und Kritiker Einblicke in das künstlerische Leben und die Historie zur Entstehungszeit der jeweils gezeigten Werke. „Die Möwe“ hat sich vor allen Dingen der Kunst vor 1945 und der Klassischen Moderne verschrieben. Dabei wird Augenmerk auf Künstler gelegt, die trotz ihres großen Talentes in Vergessenheit geraten sind.

Die Avantgardisten

Der Sturm-Kreis, gegründet von Herwarth Walden, stand dem Bauhaus nahe. Die Künstler dieser Gruppe waren die Avantgarde in der deutschen Kunstszene in den Jahren nach 1920. Doch mit der Machtergreifung Hitlers galten ihre Werke als „entartet“. Es wurde ein Ausstellungsverbot verhängt. Nach der Teilung Deutschlands entwickelte sich im Westteil die abstrakte Kunst und im Osten der sozialistische Realismus. Die Avantgardisten waren aus der Öffentlichkeit verschwunden. „Die Möwe“ möchte an diese Kunstrichtung erinnern und dem Publikum wieder zugänglich machen.

Von den “Goldenen Zwanzigern” bis heute

Darüber hinaus ist es der Salongalerie ein Anliegen, den Bogen von den Avantgardisten der 20er Jahre bis hin zu zeitgenössischen Künstlern zu spannen. Um dies zu veranschaulichen, werden Werke gezeigt, deren Schöpfer sich von den Vertretern des Expressionismus inspirieren ließen. „Die Möwe“ ist eine Fundgrube für Kunstliebhaber, die die Entwicklung der bildenden Künste von den wilden Zeiten der „Goldenen Zwanziger“ bis heute nachverfolgen möchten.