“Menschen Museum” und Berliner Bezirksamt Mitte beenden Rechtsstreit mit Vergleich

Die Plastination, ein vom Mediziner Gunther von Hagen entwickeltes Verfahren zur Konservierung von Leichen, und die damit zusammenhängende Wanderausstellung “Körperwelten” spalten seit Jahren die Gemüter. Die einen sind von den perfekt konservierten und effektvoll ausgestellten Leichen begeistert, die anderen finden die Praxis geschmack- bis hin zu pietätlos. In Berlin führte die öffentliche Zurschaustellung von Leichen sogar zu einem Rechtsstreit. Kontrahenten waren das “Menschen Museum” und das Bezirksamt Mitte, der Zankapfel: die Plastination und die Ausstellung von Leichen und Leichenteilen. Nach vier Jahren wurde der Rechtsstreit im September 2018 mit einem Vergleich beigelegt.

Der Zankapfel

Worum ging es genau? Das im Februar 2015 eröffnete “Menschen Museum” war beim Bezirksamt Mitte alles andere als beliebt. Die Behörde wollte das umstrittene Museum am Berliner Fernsehturm am liebsten geschlossen sehen und das Ausstellen von Leichen grundsätzlich verbieten. Ein Grund: Die Exponate sind Leichen gemäß dem Berliner Bestattungsgesetz und müssten ordnungsgemäß bestattet bzw. eingeäschert werden. Zudem hatten sich die Behörden an der Tatsache gerieben, dass einige der Plastinate keinem Spender zuzuordnen waren, was den Persönlichkeitsschutz der Spender verletzt.

Plastinationsguru von Hagens argumentierte dagegen. Er betrachtet sich als Künstler, dessen Freiheit durch ein Verbot beschnitten würde. Einigen konnten sich die Die Parteien nicht. Deswegen gingen sie vor Gericht, das vier Jahre später, am 7. September 2018 endlich Recht sprach.

Die Einigung

Demnach darf das “Menschen Museum” weiter bestehen, sofern es sich an folgende Auflagen hält: Zum einen muss das Museum dem Bezirksamt den Nachweis über die Herkunft der Plastinate zur Einwilligung vorlegen. Zudem darf das Amt unangekündigte Kontrollen in den Produktionsstätten des Museums durchführen. Das Problem mit dem Berliner Bestattungsgesetz hatte von Hagens zuvor durch einen Kniff aus dem Weg geräumt. Seitdem das “Menschen Museum” in den Besitz des Heidelberger “Instituts für Plastination” übergegangen, ist es nicht mehr nur ein Museum, sondern Teil eines anatomischen Instituts. Es hat damit Anspruch auf wissenschaftliche Freiheit. Ob das im Sinne des selbsternannten Künstlers von Hagens ist?

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